Die Cowboys
von der Isar

Bereits seit über 100 Jahren schlüpfen unsere Mitglieder in die Rollen von Cowboys, Indianern und Pionieren. Dabei tragen wir Namen wie „Billy Cherokee“, „William Howard“, „Enrique Belmonte“, „Großer Wille“ oder „Janice White“. Fasziniert vom der Geschichte Nordamerikas im 19. Jahrhundert, verbringen wir unsere Zeit im Sattel, am Lagerfeuer, beim Handwerk oder vor Geschichtsbüchern. Wenn du Lust hast mehr über uns zu erfahren, dann schreibe uns!

Unsere Mitglieder

Ein Teil der über 100 Mitglieder des Cowboy-Club München 1913 e.V.

Unser Vorstand

Von links nach rechts: Carsten Dieckmann Kassier  |  Martin Schulte Sheriff  |  Jennifer Fischer  Managerin  |  Gerhard Lack Vorsitzender  |  Florian Gantert Schriftführer  |  Arthur Kruse Schützenmeister  |  Christian Ziegelbauer Foreman

Vereinsgeschichte

Die Gründer des Cowboy-Club München 1913 e.V. Martin Fromberger, Fred Sommer, Hermann Sommer (v.l.n.r.)

Die Geschichte des Cowboy Clubs München 1913 e. V. (CCM) begann als „Losverein Wild West“. Von der Idee der Auswanderung erfüllt, gründeten am 12. April 1913 Fred Sommer (1888-1958, Erster Vorsitzender des CCM von 1913-1948), der Vater des Kolumnisten Sigi Sommer (1914-1996), dessen Bruder Hermann (1895-1947) und Martin Fromberger (1894-1955) den Verein. Um sich ihr Ziel, die Emigration nach Übersee, zu finanzieren, spielten sie in der Klassenlotterie mit. Sie lernten die englische Sprache und informierten sich über amerikanische Traditionen und Geschichte. Der Erste Weltkrieg beendete ihre Ambitionen einer Auswanderung.

Unter der Ägide von Fred Sommer wurden Kontakte zu Indianern der Zirkusschauen und Händlern in Übersee ausgebaut. Es wurden Cowboyhüte, Lassos und Pferdesättel eingekauft und etwa mit den Sioux aus dem Indianer-Reservat Pine Ridge Reservation in South Dakota (USA) Adlerfedern gegen hirngegerbte Leggings, Halsketten oder Mokassins getauscht. Bei verschiedensten Veranstaltungen zeigten Mitglieder des CCM ihr sportliches Können und stellten das Leben im Wilden Westen dar. Neben Rodeos gegen andere Clubs nahm der Verein bei Faschingsumzügen sowie bei Wildwest- und Wohltätigkeitsveranstaltungen teil oder seine Mitglieder wirkten mit ihrer eigenen historischen Kleidung als Komparsen in verschiedenen Filmen mit, so etwa in „Wildwest in Oberbayern“ (1951), einem Film von Ferdinand Dörfler (1903-1965). In den 1930er Jahren drehte das Vereinsmitglied „Pecos Kid“ mit „Once upon a time“ einen eigenen „Isar-Western“ in Großhesselohe mit „Momentbildern unserer Indians“ (Auszug Club-Chronik).

Während des Nationalsozialismus wurde „der“ Indianer zur Verbreitung der „deutschen Haltung“ unter den Jugendlichen instrumentalisiert. Neben den Indianerbüchern Karl Mays (1842-1912) entstand eine spezifische NS-Indianerliteratur. Auf Fotografien finden sich in dieser Phase zahlenmäßig mehr „Indianer“ als Cowboys. Für den politisch neutralen Club (§ 3 Club-Statuten von 1930) stagnierte in dieser Zeit der Kauf aus und Tausch mit Übersee, so dass der Kontakt zu Vereinen in Deutschland intensiviert wurde. Weiterhin betätigte man sich bei den üblichen Veranstaltungen wie Faschingsumzügen oder Sommerfesten, wie aus der Vereinschronik zu entnehmen ist.

Amerikanische Soldaten beim Planieren des heutigen Clubgeländes an der Floßlände

Wie schon im Ersten Weltkrieg kam mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs das Clubleben ab 1939 erneut zum Erliegen. In den Nachkriegsjahren wurde der Kontakt zur US-Armee fester Bestandteil des Clublebens; bereits im September 1945 gab der Club für die amerikanischen Soldaten eine kleine Vorführung seines Könnens. Einer der amerikanischen Soldaten professionalisierte gar das indianische Tanzrepertoire des Clubs.

Bevor der CCM 1954 seine erste Ranch im Kronepark am Nockherberg bezog, trainierten seine Mitglieder in den Sommermonaten das Lassodrehen, das Arbeiten mit dem Pferd und das Messerwerfen im Harlachinger Forst. Anfang der 1960er Jahre stellte die Stadt München dem Verein ein Gelände in Thalkirchen zur Verfügung. In Eigenarbeit und mit Unterstützung amerikanischer Soldaten wurde das Gelände für die Zwecke des Vereins umgestaltet. Am 22. Juli 1961 wurde unter Beisein des cowboyhuttragenden Münchner Oberbürgermeisters Hans Jochen Vogel (SPD, geb. 1926, Oberbürgermeister 1960-1972) und dem Lieutenant Colonel der US-Army Charles E. Gilbert (1912-1998) der Grundstein gelegt und passend zum 50-jährigen Jubiläum 1963 eingeweiht.

Nach und nach kamen weitere Gebäude, wie ein Pferdestall sowie eine Handelsstation, die „Green River Station“, hinzu. Diese bilden zusammen mit dem an einen Westernfilm erinnernden Saloon die Zentren des Clublebens. Ein eigener Bereich mit Zelten und Tipis sorgt für eine besondere Atmosphäre.

Übergabe der vor über 90 Jahren gefertigten Federhaube von Gründungsmitglied Fred Sommer and das Münchner Stadtmuseum 2018 – Foto: Alessandra Schellnegger

2013 feierte der CCM als ältester europäischer Cowboyverein sein 100-jähriges Bestehen. Das Münchner Stadtmuseum würdigte dieses Jubiläum mit der Sonderausstellung „Sehnsucht nach dem Wilden Westen“.

Während der Feierlichkeiten zum 105 jährigen Bestehen übergab der Cowboy-Club dem Münchner Stadtmuseum den Federschmuck von Fred (Siegfried) Sommer, Vater von Sigi Sommer. Die Museumsdirektorin, Dr. Isabella Fehle, wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Der Cowboy-Club München 1913 e.V. hat über 100 Mitglieder (Stand: 2021).

Begeisterung am Wilden Westen

Die in den 1830er Jahren beginnende Industrialisierung führte in Deutschland zu sozioökonomischen Problemen wie hoher Arbeitslosigkeit und Massenarmut („Pauperismus“). Angezogen von der Attraktivität des amerikanischen Arbeitsmarktes, wanderten bis Ende des 19. Jahrhunderts über fünf Millionen Deutsche in die Vereinigten Staaten aus, darunter viele hunderttausend aus Bayern. Allein zwischen 1846 und 1857, in der sog. ersten Welle, stammten von 1,1 Mio. Einwanderern aus Deutschland über 140.000 aus Bayern.

Für die Daheimgebliebenen wurde die Faszination am amerikanischen Kontinent durch Briefe der Ausgewanderten in die Heimat genährt. Ebenso prägten Reiseberichte wie die des Prinzen Maximilian zu 

Wied-Neuwied (1782-1867) oder der Schriftsteller Charles Sealsfield (eigtl. Carl Anton Postl, 1793-1864), Balduin Möllhausen (1825-1905) oder Friedrich Gerstäcker (1816-1872) das spezifische Bild von der neuen Welt.

1826 wurde mit der Erstübersetzung der Lederstrumpf-Romane von James F. Cooper (1789-1851) der Indianer in die Weltliteratur eingeführt. Coopers Erzählungen gelten als Ursprung der Faszination am amerikanischen Kontinent und wurden von Schriftstellern wie Karl May als Inspirationsquelle herangezogen. May, der trotz anderslautender Selbstaussagen vor der Veröffentlichung seiner Winnetou-Romane (1893) nie in den Vereinigten Staaten gewesen war, hat wie kein anderer nicht nur Heranwachsende vom Wilden Westen begeistert.

Parallel zu den schriftlichen Berichten wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert die Neugierde am „Exotischen“ durch Völkerschauen gestillt, bei denen Bewohner fremder Länder zur Schau gestellt wurden. Der Unternehmer Carl

 Hagenbeck (1844-1918) zeigte etwa 1885 erstmals eine Gruppe von Indianern – eine „Bella Coola“-Gruppe – im Hamburger Zoo. In den folgenden Jahrzehnten sollten etwa 20 Gruppen aus Amerika folgen, wobei insbesondere Sioux-Indianer angeheuert wurden. Auch auf dem Münchner Oktoberfest fand die Zurschaustellung des „Exotischen“ bis in die 1930er Jahre und später seinen Platz. Der Münchner Schausteller Carl Gabriel (1857-1931) spezialisierte sich auf die Präsentation von Völkerschauen und organisierte in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Agenten für die durch Deutschland reisenden Gruppen die Station auf der „Wiesn“. Daneben präsentierte er zusammen mit Emil Eduard Hammer (1865-1902) „Exotisches“ in dem in der Münchner Neuhauser Straße befindlichen Panoptikum. Als sich Gabriel 1909 mit Hagenbeck zusammenschloss, war kurz danach auf dem Oktoberfest eine „Riesenvölkerschau“ zu sehen, die sich aus einem Sudanesen-Dorf, einer Sparte „Wildwest“ mit Indianern und Cowboys und einigen Arabern zusammensetzte. 

Plakat von Buffalo Bill’s Wild West Show auf der Theresienwiese in München 1890

Um 1910 tourte eine Truppe von ca. 40 Oglala-Sioux mit zehn Cowboys durch Deutschland. Auch Zirkusse wie Sarrasani und Krone warben mit „echten“ Indianern. Der CCM nutzte die Chance und nahm Kontakt auf.

Neben den Völkerschauen wurde die Indianer- und Cowboybegeisterung auch durch Wild-West-Shows gestillt. Ein Paradebeispiel stellt die Show „Buffalo Bill’s Wild West“ von William Frederick Cody (gen. „Buffalo Bill“, 1846-1917) dar, dessen Deutschlandtournee am 19. April 1890 auf der Münchner Theresienwiese beginnt.

Die täglich 5.000 Besucher anziehende Schau verlief immer nach demselben Muster. Nach dem Einzug der gesamten Gruppe in die Arena wurden u. a. ein Pferderennen, diverse Reit- und Lasso-Künste, der Pony-Express, ein Angriff auf einen Siedlertreck durch Indianer, eine Büffeljagd und Indianertänze präsentiert. Regelmäßiger Höhepunkt waren die Schießkünste von Annie Oakley (1860-1926) und der Angriff auf die Postkutsche „Deadwood Stagecoach“ (auch: „Deadwood Mail Coach“), die in letzter Sekunde von „Buffalo Bill“ gerettet wurde. Dem bereits zu Lebzeiten als Legende apostrophierten „Buffalo Bill“ gelang es, seine eigenen Erfahrungen zu inszenieren. Er gilt als der Mann, der den Mythos Wilder Westen nach Deutschland brachte und den Mythos Cowboy begründete. Seine Schau blieb für München und andere Städte nicht folgenlos. Nicht nur gehören seither Szenen aus dem Wilden Westen in das Zirkusprogramm, auch wurde für Kinder das „Cowboy und Indianer“-Spielen populär und es gründeten sich in München Vereine wie die „Gesellschaft Buffalo Bill Wild West“ (1890).

-Cindy Drexl-

Bekannte Ehrenmitglieder

  • Fred Sommer (*1888; †1958): Durch sein Engagement wurde „Häuptling Abendwind“, wie ihn sein Sohn Sigi bezeichnete, zur treibenden Kraft des Vereins und das Reiten zur Pflicht für die Cowboys.
  • Hans-Jochen Vogel (*1926 ;†2020; SPD; Münchner Oberbürgermeister 1960-1972): Vogel unterstützte maßgeblich das Vorhaben, ein geeginetes Gelände für den CCM zu finden und legte 1961 den Grundstein des heutigen Saloons.
  • Max Oliv (geb. 1930): Viele Jahre lang in der Vorstandschaft des CCM tätig. Er gilt als Experte zum Thema Indianer und gelangte als Maler indianischer Sujets zu Berühmtheit. Er gilt als Indianerexperte und war von 1969 bis 1995 Erster Vorsitzender des „Western Bundes“.
  • Heinrich „Heinz“ J. Bründl (geb. 1948): Langjähriges Mitglied im CCM, der aufgrund seines Hobbys den Beruf wechselte und mit dem Verkauf von indianischen Artikeln in der „Hudson Bay Indian Trading Post“ eine Marktlücke entdeckte. 1987 gründete er die Westernstadt „No Name City“ in Poing bei München. Im Laufe der Zeit baute Bründl eine der bedeutendsten und umfangreichsten Sammlungen zum Wilden Westen auf.
  • Christian Ude (geb. 1947; SPD, Münchner Oberbürgermeister 1993-2014): Der damalige Oberbürgermeister eröffnete 2013 die Jubiläumsausstellung und erinnerte an seine Begegnung mit Fred Sommer. Ehrenmitglied „Rote Feder“.
  • Helga Lauterbach-Sommer (geb. 1943): Die Tochter des Gründungsmitglieds Hermann Sommer war und ist stets große Unterstützerin des Clubs und hat maßgeblich zum Erfolg während der 100 Jahrfeier und der Sonderausstellung im Münchner Stadtmuseum beigetragen.
  • Dr. Isabella Fehle (geb. 1954; von 2010 bis 2019 Direktorin des Münchner Stadtmuseums): Die Direktorin des Münchner Stadtmuseums wurde anlässlich der feierlichen Übergabe der Sommerschen Federhaube 2018 als „Guardian of the war bonnet“ zum Ehrenmitglied ernannt.