Kürzlich von unseren Mitgliedern gelesen/gehört/gesehen – und weiterempfohlen:

Bob Weir

Blue Mountain

Legacy (SONY MUSIC) 2016

 

Bob Weir, Gitarrist bei den GRATEFUL DEAD bis zu deren Auflösung 1995, mit einem Solo-Album, dem ersten seit den 70er Jahren.

Jetzt fast 70, erinnert er sich an seine Jugend in Texas und an die Zeit, in der er als Gelegenheitsarbeiter auf einer Ranch in Wyoming arbeitete.

Landschaften, Menschen, die Stimmung vor einem Sturm oder ghost-towns, werden in den ruhigen, nicht unbedingt melancholichen und mit schon langsam brüchiger werden Stimme , Stücken erinnert.

 

Beste Musik für die Zeit mit einem Kaffee vor dem Ofen wenns draussen kalt ist…..




M.Wardle/S.E.Boehme (Hrsg.)

 

 

BRANDING THE AMERICAN WEST

PAINTINGS AND FILMS, 1900-1950

University of Oklahoma Press, 2016

 

Mit ca. 150 Bildern, Gemälden und Film-Stills, und einigen Essays ausgestatteter Ausstellungs-Katalog, der untersucht, wie unsere heutigen Bilder des „Wilden Westens“ von der Kunst beeinflusst wurden.

Nachdem Künstler , wie Remington oder Russell, zwei der ganz großen Namen, die den „Wilden Westen“ noch selber erlebten, ein eher vom Kampf ums Überleben, gegen Natur oder Indianer, geprägtes Bild vermittelten, änderte sich dies zu Beginn den 20.Jahrhunderts – im Katalog größtenteils belegt mit Bildern der „Taos School of Artists“, zu deren Umfeld so bekannte Künstler wie Georgia O´Keefe, Ansel Adams oder Edward S.Curtis gehörten, aber auch viele andere, bei uns nicht so bekannte. Gerade diese kennen zu lernen, macht den Band interessant.

Und wer hätte gedacht, wie in einem Beitrag erwähnt: ohne den aufkommenden Tourismus, insbesondere „angetrieben“ durch das neu entwickelte Automobil, wären die meisten Bilder nie entstanden. Man erhoffte sich, durch die Bilder, die eigentlich unwirtliche, fast lebensfeindliche Gegend des Sudwestens zu beleben – und nicht zuletzt eben auch Bilder zu verkaufen.

Die zivilisationsmüden Städter des amerikanischen Ostens (und der ganzen Welt letztlich) waren begeistert – bis heute. 




 

 

James A. Michener

CHESAPEAKE / Die Bucht (dt.Titel)
1978 (Erstveröffentlichung)

880 s.

Michener war offensichtlich der Experte für epische Romane, die immer eine Gegend/Land zum Thema hatten und deren Geschichte er über mehrere Jahrhunderte erzählt, meist am Beispiel einiger Familien oder Personen.

Es gibt Romane über Alaska,Texas, Colorado, Hawaii, Süd-Afrika,Karibik , Spanien u.v.m.

In CHEASPEAKE erzählt er die Geschichte der Besiedelung der USA ab der ersten Kolonie in Jamestown/Virginia durch John Smith –bis heute.

(und sagar noch die englische Vorgeschichte einiger Siedler, politisch-religöser Verfolgung, rückgehend bis auf Henry VIII)

Die Chesapeake Bucht umfasst Teile von Virginia, Maryland und Delaware, fast schon bis Pennsylvania.

Man lernt das Leben der ersten Siedler, den Umgang und auch das Leben der Ureinwohner kennen, verfolgt die Geschichte der Sklaverei, den Kampf gegen Piraten aus der Karibik, den Unabhängigkeitskrieg, Bürgerkrieg und den langsamen Wechsel zu einem, sagen wir mal, zivilisierten Land, bis zum heutigen „Naherholungsgebiet“ für den Grossraum Washington, Baltimore und Philadelphia.

Das alles auf hunderten Seiten, aus der Sicht von arm oder reich, schwarz oder weiss oder rot – unterhaltsamer/spannender geht’s nicht - wenn man nicht ein Sachbuch lesen will.

Und ich muss sagen, man versteht einiges besser über die amerikanische Mentalität, wenn man diese GESCHICHTE sieht…..

p.s. als nächstes dann meine Kommentar zur COLORADO SAGA (orig. CENTENNIAL), die 200- jährige Geschichte eines Gebietes am South Platte River in den Rockies… 




 

 

FREE STATE OF JONES (USA 2015)

Mit Matthew McConaughey, Kevin Russell u.a.

Regie: Gary Ross

ca. 134 Min./ DVD


Mississippi 1862: Der konföderierte Soldat und Farmer Newton Knight kehrt in seine Heimat zurück, um seinen gefallenen Sohn zu beerdigen. Hier stellt er fest, dass die eigene Armee rücksichtslos die kleinen Farmer bedrängt, um Lebensmittel zu requirieren. Zusammen mit entlaufenen Sklaven und halbverhungerten Farmern organisiert er einen Widerstand…..In deutschen Kinos war der Film nicht zu sehen, was kein Wunder ist, da die Geschichte schon ein spezielles Thema der amerikanischen Geschichte, im besondern des amerikanischen Bürgerkriegs, erzählt. Und eine wahre Geschichte.

Absolut akkurat nach den historischen Ereignissen gedrehter Spielfilm, der ein nicht romantisiertes Bild der Südstaaten, der Sklaverei und ihrer Großgrundbesitzer zeichnet. 

 

 

 

Patricia Nelson Limerick

THE LEGACY OF CONQUEST

W.W.Norton, 1988

 

Für viele am “Wilden Westen” interessierte Menschen ist diese Zeit, trotz allem historischen und lexikalischen Wissens über die Zeit, doch irgendwie die “gute, alte Zeit” – eine Epoche, in der aus den zivilisationsmüden oder auch politisch und wirtschaftlich Vertriebenen, in der unendlichen, rauhen, aber unberührten Landschaft des amerikanischen Westens ein neuer Typ Mensch entstand – der aufrichtige „Westerner“, der naturverbundene Trapper (oder auch viel früher bereits der Indianer), ehrlich- schaffende Farmer oder Rancher und oft wird sogar die Entstehung der amerikanischen Demokratie aus der Besiedelungsgeschichte hergeleitet.

Schliesslich war das Land erobert, die „frontier“ geschlossen: der Wilde Westen vorbei. Was aus dem Westerner, Cowboy und Indianer wurde, in den nun „modernen Zeiten“, ist eine andere Geschichte, meist nicht so von Interesse.

Die Zeit vor der „closing of the frontier“ (wird um 1890 angesetzt – Fred.Jackson Turner) ist eben die schönere, die interessantere, noch wilde Zeit.

Das hier besprochene Buch, übersetzt etwa „Das Vermächtnis der Eroberung“, ist nun auch schon 40 Jahre alt, aber war eines der ersten, das mit der bisherigen, unhistorischen Sicht auf die US-Geschichte brach.

P.L.Nelson (Dozentin an der University of Colorado, Boulder) sieht in der amerikanischen Geschichte von den ersten Pionieren bis heute eine ununterbrochene Geschichte, und in erster Linie eine Geschichte des „business“.

Die Autorin untersucht die Geschichte/Entwicklung verschiedener gesellschaftlicher Probleme , wie den Umgang mit der Natur, mit den Indianern, Schwarzen, Mexikanern oder Chinesen, oder der Auslieferung der wirtschaftlich Schwachen, wie den kleinen Farmer oder Arbeiter an die ökonomisch Starken (Banken, Grossgrund-/Minenbesitzer etc.).

 

Über die Art und Weise wie die frühen Amerikaner mit Minderheiten oder den sozial Schwachen, auch der Natur umgingen, muss nicht viel gesagt werden, wichtig ist nur, so die These der Autorin, dass alle diese Probleme nach-wie-vor bestehen, nicht gelöst sind. Sicherlich brachten die Jahrhunderte, besonders das letzte, manche Reformen – aber gerade heutige Schlagzeilen, wie „fracking“, der Umgang der Polizei mit den Farbigen oder jetzt der evtl. Bau einer Mauer zu Mexiko und die zunehmende Armut in den USA, 40 Jahre nach Drucklegung dieses Buches, bestätigen die These: der „Wilde Westen“ ist auch heute noch relativ wild, ungezähmt und auch ungerecht – eine Zäsur hat es in der Geschichte der USA nie gegeben. It always „meant business“.